Dienstag, 21. Juni 2016

Biotope


 
Der Landwirt, dem dieses Feld gehört, 
freut sich  über diese Kornblumen sicher nicht so,
wie die Spaziergänger und ich, die dieses Feld immer nur bewundern  
und viele Sträuße pflücken.

Doch, er kann froh sein, 
dass die Kornblume nicht unter Naturschutz steht,
denn dann hätte man dieses Feld:





Kurzerhand zum Biotop erstellt
und er hätte die Pappnase auf.

So erging es gerade unserem Nachbarn,
auf dessen Weiden eine seltene Art von Sauerampfer entdeckt wurde.
Das Stück Land - immerhin 400 m² -  wurden zum Biotop erklärt
und er darf es nur noch sehr eingeschränkt bewirtschaften.
Eine Entschädigung für die eingebüßte Ernte gibt es nicht!
Letztendlich war er froh,
denn zunächst sollte das Biotop 1000 m² groß sein.

Und nicht nur das.
Die, die ihr Land intensiv bewirtschaften,
also viel düngen, viel Gift sprühen etc.,
um möglichst viel aus dem Land herauszuholen,
brauchen keine Angst zu  haben:
Auf deren Land siedelt sich nichts an,
was sie dort nicht haben wollen.

Die, die ihr Land extensiv bewirtschaften
und damit viel naturnaher arbeiten,
müssen damit rechnen,
dass ein Teil ihres Landes
teil-enteignet wird....

Mein Garten ist sehr naturnah angelegt,
ich würde mich aber ziemlich veräppelt fühlen,
wenn ich ein  Schreiben von der Stadt bekäme,
dass ich meine Terrasse nicht mehr benutzen dürfe,
weil sich ein  dort ein seltener Vogel 
im Kirschbaum eingenistet hat.
oder so....

Wobei meine Terrasse, mein  Garten
reines Privatvergnügen sind.
Felder und Weiden 
sind Grundlage für den Lebensunterhalt
eines Landwirts.

Ich finde das so schräg
und wundere mich, 
dass ich so viel geschrieben habe,
obwohl mir eigentlich die Worte fehlen. ...

 
 



Kommentare:

  1. Tja,groteske Situation.Man versteht beide Seiten.
    Allerdings finde ich,das dem Landwirt schon vorher eine Ausgleichszahlung gebührt,da er auf Gifte verzichtet und Einbußen hingenommen hat.
    Das Land zu enteignen,ohne Entschädigung,ist wieder so ein typischer,ungerechter Bürokratenscheiß (Verzeihung).
    Gut gemeint - mies umgesetzt.
    Dem armen Kerl bleibt jetzt nur der Weg zum Anwalt,um sein Recht zu "erstreiten".
    Er muss in finanzielle Vorleistung gehen und trägt das erhebliche Risiko,auf den Kosten sitzen zu bleiben.
    Zum Kot...!

    Wen würde es wundern,wenn er in einer Nacht - und Nebelaktion den Sauerampfer aus seinem Feld entfernt?

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    1. Nun, diese Nacht- und Nebelaktion würde ihm nichts nützen - Biotop ist Biotop und bleibt es für die nächsten 5 Jahre...
      Aber es würde mich nicht wundern, wenn er auf anderen Flächen mehr "Unkrautvernichtungsmittel" sprühen würde, damit ihm das nicht wieder passiert.
      Ein Anwalt wird ihm nichts nützen, denn das ist geltendes Recht - oder so. Und für eine Klage beim obersten Was-weiß-ich-Gericht, fehlt ihm ganz sicher die Zeit (und das Geld)

      Beim anderen Landwirt nistet eine seltene Vogelart. Rums - Bums, Verbot, den Acker in einem Umkreis von lalala zu bearbeiten. Der entsprechende Vogel läuft aber quietschvergnügt hinter dem großen Trecker mit dem Pflug her. Er ist ja nicht blöd - da findet er mal eben ganz viel Fressbares.
      Aber man fragt sich dann eben doch, wer und mit welchem Wissen, welche Vorschriften macht...



      Und: Man kann an Maßnahmen teilnehmen, die einen einschränken und bekommt dafür Entschädigung. Aber dass ist viel Bürokratie und recht langfristig ausgelegt. Wenn man sich "einfach so" einschränkt, wie er, dann hat man eben die A-Karte.
      Zur Enteignung siehe bitte unten bei Ulkau.

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  2. Das ist ja der Hammer. Ich wusste gar nicht, dass es hier bei uns auch Enteignungen gibt... und dann ohne Entschädigung, kaum zu glauben!
    Aber wie schön, ein ganzes Kornblumenfeld zu sehen - ich liebe ihr Blau! Hier freut man sich schon, wenn man einmal vereinzelt eine Kornblume am Feldrand findet. LG Ulrike

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    1. Nun, es ist ja keine wirkliche Enteignung, er bleibt ja Eigentümer und darf dementsprechend auch weiter die Grundsteuer bezahlen...
      Er darf seinen Grund und Boden nur eben nicht mehr so nutzen, wie er es sonst tun würde, da ist er eben sehr eingeschränkt und und muss diese Einschränkungen dann bei der Ernte hinnehmen und verkraften können.
      Ja, das Feld ist unglaublich schön. Ich fahre jeden Tag daran vorbei - und halte oft an. Und auch mit den Hunden laufe ich dorthin und pflücke...

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  3. Oha, sowas war mit auch nicht bekannt! Das kanns ja wohl nicht sein! Aber es ist wieder so typisch für unsere Bürokratie, reine Theoretiker die von der Sache selbst keine Ahnung haben.

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    1. Genau, diese Bürokratie und ihre Arbeitsweise, Denkweise sind manches Mal einfach nur hirnverbrannt. Naturschutz ist so wichtig, aber wenn man das sieht, versteht man, warum Landwirte demgegenüber manches Mal sehr kritisch sind...

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  4. dan nutzt man die Felder schon natürlicher als andere und dan sowas, dan tut man eigentlich der Natur ja was gutes und darf es nicht mal mehr nutzen... Das Sollte so ja auch nicht sein, erstrecht wenn er noch weiter die Grundsteuer bezahlen muss was soll er den nun mit dem Feld anstellen?

    Und eine weitere Frage wer hat den fest gestellt das dort die Pflanzen wachsen? O.o

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  5. Er darf es ja noch nutzen, aber eben mit erheblichen Auflagen und Einschränkungen.
    Wer das festgestellt hat? Wenn ich das richtig verstanden haben, sind beim Landkreis Leute angestellt, deren Aufgabe darin besteht, seltene Pflanzen und Tieren zu finden.

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  6. Huch - also Vorsicht beim Anlegen eines Biotops (im Garten). Ich stelle mir gerade die Leute vom Landkreis vor, wie sie mit Ferngläsern und Lupen durch die Gegend streifen, um Seltenes zu finden - für den Naturschutz eine wertvolle Aufgabe! Ich möchte aber nicht Eigentümer eines solchen Grundstücks sein und die Auflagen und Einschränkungen in Kauf nehmen. Die Wiese mit dem Sauerampfer ist doch ganz natürlich entstanden, ohne Zutun des Landkreises. Vielleicht verschwindet der Sauerampfer von selbst, wenn nur mehr eingeschränkt bewirtschaftet werden darf (weil ihn dann andere Pflanzen überwuchern z.B.)

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